CUPRA hat noch eine Menge Potenzial

Ein Unternehmen mit zwei Marken: „CUPRA wird die Marke sein, die sich zunächst auf Elektrofahrzeuge konzentriert“ – „SEAT wird mit der stärksten Produktpalette denn je den Fokus vorerst auf Hybridfahrzeuge und hoch-effiziente Verbrenner legen“

Wir sprachen mit Bernhard Bauer, Geschäftsführer der SEAT Deutschland GmbH und Deutschland-Chef der Marke CUPRA

DIE AUTOSEITEN: Herr Bauer, die E-Mobilität nimmt Fahrt auf. Wie viel Fahrt nimmt sie in Deutschland auf?

Bernhard Bauer: Sie nimmt ordentlich an Fahrt auf, die Nachfrage an Elektrofahrzeugen steigt enorm und die Zahl der Skeptiker geht zurück. „Loading by doing“, habe ich neulich in einer Überschrift gelesen, die Formulierung fand ich ganz sexy und passend zur derzeitigen Situation, denn: Wir reden zwar alle über Elektromobilität, aber erst wenn man sie erlebt, weiß man, wovon man spricht. Ich fahre jetzt schon seit einiger Zeit elektrisch und ich habe mich komplett daran gewöhnt. Ja, es ist eine Umgewöhnung, denn am Steuer eines E-Fahrzeugs verändert sich die Fahrweise: Es geht dabei mehr um die Reichweite als um Geschwindigkeit. Mir persönlich gefällt diese Art des Fahrens. Zudem sind bei SEAT in Weiterstadt Ladestationen im Parkhaus installiert und zu Hause habe ich eine Wallbox, das funktioniert also einwandfrei. Daher kann ich inzwischen sehr gut nachvollziehen, warum sich die Menschen immer mehr für Elektrofahrzeuge interessieren. Die Leichtfüßigkeit eines vollelektrischen Autos macht enorm viel Spaß. Und nicht zuletzt habe ich auch, vor allem wenn ich zum Beispiel in Frankfurt oder in Köln durch die Stadt fahre, ein gutes Gefühl, denn ich bin lokal emissionsfrei unterwegs.

?: Wie haben SEAT und CUPRA den Wandel hin zur E-Mobilität vollzogen?

Bauer: Wir haben schon vor anderthalb Jahren, als die Nachfrage nach Plug-in-Hybridmodellen steil nach oben gegangen ist, mit dem CUPRA Formentor e-HYBRID sowie mit dem SEAT und dem CUPRA Leon e-HYBRID große Erfolge gefeiert. Der Anteil an den Plug-in-Hybridmodellen liegt teilweise bei 50–60 Prozent in der jeweiligen Range. Und jetzt haben wir mit dem CUPRA Born seit Ende vorigen Jahres unser erstes vollelektrisches Modell der Marke CUPRA auf dem Markt, das sich in seinem Segment sehr gut behauptet und absolut wettbewerbungsfähig ist. Das belegen nicht nur die guten Verkaufszahlen, sondern auch die zahlreichen Auszeichnungen, die das Modell in den vergangenen Monaten erhalten hat.

?: Und wie schaut es mit dem elektrischen Laden aus?

 

Bauer: Die größte Hemmschwelle ist ja oft die vermeintlich zu geringe Reichweite von Elektrofahrzeugen. Ich mache da mit dem CUPRA Born allerdings super Erfahrungen: Wenn ich zum Beispiel von Frankfurt nach Köln fahre, komme ich problemlos hin und auch wieder zurück. Und falls es mit dem Ladezustand unterwegs doch mal knapp wird, dann stelle ich mich zehn oder fünfzehn Minuten an die Ladestation, lade die fehlenden hundert Kilometer auf und weiter geht‘s. Das muss man ein, zweimal erlebt haben, dann stellen sich auch nicht mehr diese Fragen, die man so oft hört: Finde ich überhaupt eine Ladestation? Dauert das dann nicht eine oder zwei Stunden? Gilt meine Karte an dieser Ladesäule? Ist es der richtige Stecker? Diese Dinge meine ich mit „Learning by Loading“: Du lernst den Umgang mit der Elektromobilität im Alltag. Viele Menschen kennen das vielleicht noch aus ihrer Anfangszeit nach der Fahrschule, als sie erstmals allein zur Tankstelle gefahren sind. Zuerst ist es ungewohnt und man ist möglicherweise etwas unsicher, doch ruckzuck wird es zur Routine. Aber wenn man diese Hemmschwelle nicht überschreitet und die Erfahrung nicht macht, dann kann man auch nicht zu der Erkenntnis kommen, dass E-Fahrzeuge im Alltag völlig unproblematisch sind und – im Gegenteil – eine Menge Spaß machen.

?: Das ist auch das Hauptthema beim Kunden. Wie hören sich heute die Erfahrungen der Kunden beim Händlergespräch an? Welche Rückmeldungen bekommen Sie?

Bauer: Bei den Kunden ist es oft genauso, wie ich es eben mit meinen persönlichen Erfahrungen beschrieben habe. Die Diskussion gab es ja im Kleinen auch schon mit den Plug-in-Hybriden: Komme ich rein elektrisch auch wirklich 30, 40 oder 50 Kilometer weit? In der Praxis wird der Plug-in Hybrid häufig wie ein Elektrofahrzeug eingesetzt, dabei wurde oft behauptet: Die Leute holen sich nur die Prämie und nutzen die PHEVs dann als Verbrenner. Aber nein, die fahren zum Teil NUR elektrisch, denn auf den Alltagsstrecken von 20 bis 30 Kilometern ist das locker möglich. Und selbst, wenn der Akku mal nicht ausreicht, dann muss man wissen, dass der Hybrid den Benziner beim Anfahren unterstützt. Das bedeutet, dass ich den Verbrauch senke, auch wenn ich nicht rein elektrisch fahre, gerade beim häufigen Anfahren im urbanen Raum. Bei unserem SEAT Tarraco ist der Plug-in Hybrid zum Beispiel ein super Antrieb. Und sind wir mal ehrlich: Ein echter Reichweitenfahrer, zum Beispiel ein Außendienstmitarbeiter, der fährt ja so ein Auto nicht. Dass diese „Kilometerfresser“ nicht sofort auf elektrische oder teilelektrische Antriebe umsteigen, kann ich sogar nachvollziehen. Aber warten wir mal ab, wie sich die Reichweiten und die Ladeinfrastruktur in den kommenden Jahren weiterentwickeln.

?: Geben Sie dem Plug-in-Hybrid auch im nächsten Jahr eine Zukunft?

Bauer: Das ist eine gute Frage. Vor drei Monaten hätte ich noch gesagt: Selbstverständlich! Aber die Voraussetzungen ändern sich ständig. Jetzt wissen wir, dass die Förderung wegfällt. Aber was ist mit der 0,5-Prozent-Versteuerung? Bleibt die erhalten? Unabhängig davon sage ich, dass der Plug-in-Hybrid im kommenden Jahr für den Normalverbraucher weiterhin große Vorteile mit sich bringt – auch ohne Subventionen: Der Strom ist günstiger, man verbraucht weniger. Daher gehen wir davon aus, dass wir auch ohne Förderung einen Hybrid-Anteil von 25 bis 30 Prozent in der jeweiligen Range erreichen werden. Wenn die Kilometerversteuerung weiterhin subventioniert werden sollte, wird der Anteil natürlich höher sein.

?: Ich denke, umso größer das Fahrzeug ist, umso relevanter ist der Plug-in-Hybrid.

Bauer: Durchaus, weil der Verbrauch naturgemäß etwas höher ist und auf den kurzen Strecken im Alltag, die rein elektrisch zurückgelegt werden können, entsprechend viel gespart werden kann. Ich gehe davon aus, dass der Plug-in-Hybridanteil bei unserem Flaggschiff, dem SEAT Tarraco, bei bis zu 50 Prozent liegen wird – auch ohne Subventionierungen.

?: Haben Sie denn auch ein Angebot für „Kilometerfresser“, wie Sie eben sagten?

Bauer: Wir sind in unserem Portfolio mit Diesel und Benzinern gut ausgestattet und haben darüber hinaus unsere herrlichen CNG-Modelle (komprimiertes Erdgas, d. Red.), die werden oft vergessen. Zudem haben wir auch bei unserer Challenger-Brand CUPRA neue Einstiegsmotorisierungen: Den CUPRA Leon gibt es jetzt beispielsweise auch mit einem 150-PS-Dieselmotor. Der macht schon richtig viel Spaß und bietet natürlich grandiose Reichweiten.

?: Sie sprachen gerade von CNG, also Erdgasantrieb. Wie schätzen Sie da die Akzeptanz beim Kunden ein?

Bauer: Mit dem CNG ist es ein bisschen wie mit dem Elektroantrieb: Da gibt es auf der einen Seite die Skeptiker und auf der anderen Seite die Leute, die ihn fahren – und diese Menschen lieben den CNG-Antrieb. Das hat viele Gründe: Da ist zum einen ein sehr stabiler und günstiger Preis, zudem eine unbestreitbare Zuverlässigkeit und nicht zuletzt die Nachhaltigkeit. Dennoch fristet das komprimierte Erdgas ein Dasein, nahe an der Bedeutungslosigkeit und das kann ich genauso wenig nachvollziehen wie die Tatsache, dass CNG nie in irgendeiner Form gefördert oder in der Öffentlichkeit größer thematisiert wurde. Ich persönlich habe den Antrieb in meiner beruflichen Karriere bei unterschiedlichsten Marken immer wieder angeschoben. Ich kann irgendwann mal in den Autohimmel kommen und sagen: Ich habe alles in meiner Macht Stehende getan, um den CNG-Antrieb zu fördern, an mir hat es wahrlich nicht gelegen. Ich verstehe wirklich nicht, warum CNG nie eine Chance hatte, besonders hier in Deutschland, wo man allein aus den Kläranlagen über enorme Ressourcen für Biogas verfügt, das mittlerweile einen Anteil von bis zu 80 Prozent des CNGs ausmacht.

?: Welche Modelle bieten Sie an mit CNG-Antrieb?

Bauer: Wir bieten nach wie vor den SEAT Arona, den SEAT Ibiza und den SEAT Leon als TGI-Modelle mit CNG-Antrieb an. Übrigens: Der ADAC kürte den SEAT Leon 1.5 TGI dieses Jahr zum Sieger des ADAC Ecotests und damit zum umweltfreundlichsten Fahrzeug – noch vor sämtlichen Elektrofahrzeugen.

?: Wie sieht denn die Zukunft mit der Marke SEAT aus?

Bauer: Zunächst einmal muss ich an der Stelle immer wieder sagen: Wir sind ein Unternehmen mit zwei starken Marken. Wir haben Modelle von SEAT und Modelle von CUPRA. Natürlich befindet sich die Branche in einem nie dagewesenen Wandel in Richtung Elektromobilität und wir müssen jetzt die Weichen für die Zukunft stellen. Selbstverständlich können wir nicht alle Fahrzeuge gleichzeitig elektrifizieren. CUPRA wird die Marke sein, die sich zunächst auf Elektrofahrzeuge konzentriert. SEAT wird mit der stärksten Produktpalette denn je den Fokus vorerst auf Hybridfahrzeuge und hoch-effiziente Verbrenner legen. Zudem hat SEAT künftig auch eine große Chance als Anbieter für Mobilitätsservices, hier spielen wir schon eine wichtige Rolle.

?: Herr Bauer, was erwarten Sie denn von 2023?

Bauer: Es wäre zu optimistisch, davon auszugehen, dass wir 2023 zurück zur Normalität kehren werden. Negative Rahmenbedingungen wie COVID, Krieg, Energiekrise, und die Nachwirkungen der Chipkrise werden uns begleiten. Wir sehen diese Themen nicht als Hindernis, sondern als Chance uns noch stärker aufzustellen. Der Handel und wir werden durchkommen. Ich glaube, wir sind nicht die einzige Automarke, deren Auftragsbücher voll sind und jeder Einzelne im Unternehmen gibt sein Bestes damit wir gemeinsam erfolgreich sind und neue, nachhaltige und sichere Autos auf die Straße bringen und an die Kunden ausliefern können. Trotz aller Herausforderungen können wir in Deutschland unseren Marktanteil von 4,5 Prozent weiterhin halten. Das ist eine hohe Zahl und ich bin sicher, dass es uns gelingen wird, diesen Wert bis zum Jahresende mindestens zu halten, vielleicht sogar noch etwas zu verbessern.

?: Was heißt das konkret für SEAT und CUPRA?

Bauer: Trotz der Herausforderungen sind wir für das nächstes Jahr optimistisch. Ich glaube, dass sich die Lieferfähigkeit unter normalen Umständen und wenn nichts Unvorhersehbares passiert in jedem Fall verbessern wird. Wir planen ein sehr ordentliches Jahr 2023. Ich bin davon überzeugt, dass vor allem bei CUPRA noch eine Menge Potenzial vorhanden ist. Dies gilt zum Beispiel für die eben genannten, neuen Einstiegsmotorisierungen beim CUPRA Leon. Den Marktanteil des CUPRA Born wollen wir weiter ausbauen und auch mit dem CUPRA Formentor, dem ersten eigenständigen Modell der Challenger-Brand, noch stärker das Straßenbild prägen. Zusammengefasst rechnen wir vorsichtig optimistisch für das nächste Jahr.

?: Zum Thema Sportlichkeit. CUPRA, die junge Marke ist sportlich unterwegs, auch auf den Rennstrecken dieser Welt. Inwiefern hilft es Ihnen in Deutschland? Ist dies eine Verkaufsoptimierung, also eine Förderung oder dient dies eher die Marke bekannter zu machen?

Bauer: Sportlichkeit und Dynamik passen immer zusammen – und vor allem gehört beides zur DNA von CUPRA. Der Name setzt sich aus Cup Racer zusammen und die CUPRA Modelle waren bereits viele Jahre vor der Etablierung als eigenständige Marke im Jahr 2018 die Sport-Varianten von SEAT. Die CUPRA Modelle sind auch auf Konzernebene immer die Fahrzeuge, die ein bisschen sportlicher und etwas strammer abgestimmt sind, das werden wir uns auch nicht nehmen lassen – ganz im Gegenteil: CUPRA steht auch in Zukunft für Performance und Sportlichkeit! Ich freue mich zum Beispiel jedes Mal, wenn ich sehe, wie unser CUPRA Formentor VZ5 als Pace Car oder Safety Car das Fahrerfeld in der DTM vor allen anderen Marken anführt. Egal, wo die sich qualifizieren: Wir stehen immer ganz vorn. Das macht rein vom visuellen Eindruck immer wahnsinnig viel Spaß.

Wir sind zudem mit dem CUPRA Leon Competición in den TCR-Rennserien weltweit sehr erfolgreich unterwegs und mit dem CUPRA e-Racer konnten wir erst kürzlich die Meisterschaften in der Team- sowie in der Fahrerwertung im FIA ETCR – eTouring Car World Cup gewinnen. Nicht zuletzt sind wir bei der Extreme E, einer extrem spannenden Rennserie mit vollelektrischen Offroad-SUV am Start. Das alles wird weiter unsere Welt bleiben und mit der Elektrifizierung lässt sich im Motorsport noch vieles weiterentwickeln. Jeder, der schon mal ein sportliches Elektroauto oder vielleicht sogar schon einmal in einem elektrischen Rennfahrzeug gefahren ist, der weiß, wie viel Kraft da drinsteckt – und eine derartige Power hat auch eine erfolgreiche Zukunft.


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