Plug-in-Hybrid ist eine wichtige Übergangstechnologie 

Wir sprachen mit Thomas Djuren, Geschäftsführer der Kia Deutschland GmbH

DIE AUTOSEITEN: Herr Djuren, Sie haben im Sommer die Geschäftsführung bei Kia Deutschland übernommen. War es für Sie ein günstiger Zeitpunkt? 

Thomas Djuren: Ja, es war tatsächlich ein günstiger Zeitpunkt, in dieser Funktion für Kia Deutschland zu starten. Wir haben seit Anfang des Jahres eine neue Markenausrichtung und eine neue Strategie namens „Plan S“, die unsere Zukunft klar definiert. Produkte wie der EV6, die erste Verkörperung der neuen Marke Kia, zeigen deutlich, wohin die Reise geht: Wir möchten umweltgerechte Mobilitätsprodukte bieten, die den individuellen Bedürfnissen unserer Kunden entsprechen. 

?: Die Marke Kia ist weltweit im Umbruch. E-Mobilität steht jetzt im Fokus. Wie kommunizieren Sie dies Ihren Vertriebspartnern? Die Händler müssen ja mitgenommen werden.  

Djuren: Ja, selbstverständlich wollen wir nicht nur unsere Produkte und Technologien, sondern auch den Handel zukunftsfest machen. Denn auch und vor allem dort werden Kunden an die Elektromobilität herangeführt. Mit der eLicense haben wir unter anderem ein eigenes Trainingsprogramm geschaffen, um sowohl die Kollegen in der Werkstatt als auch die Verkäufer im Bereich E-Mobilität zu schulen. 

?: Ist Elektromobilität eigentlich eine Altersfrage?

Djuren: Ja, je elektrischer die Fahrzeuge sind, desto jünger sind die Kunden. Die Mehrheit älterer Menschen vertraut nach wie vor eher dem Verbrennungsmotor. Aber der Hybrid als Übergangstechnologie – ob mit oder ohne Stecker – erleichtert vielen den Wechsel.

Thomas Djuren,  Geschäftsführer der Kia Deutschland GmbH, im Gespräch mit DIE AUTOSEITEN

?: Aktuell werden die Gespräche aber von einem ganz anderen Thema geprägt: Das Infektionsgeschehen nimmt erneut Fahrt auf. Wie ist die Marke Kia in Deutschland bislang durch die Pandemie gefahren? 

Djuren: Wir sind verhältnismäßig gut durchgekommen und konnten unseren Marktanteil sogar ausbauen. Und das trotz der Pandemie, aber auch trotz der mangelnden Verfügbarkeit an Halbleitern, die ja ebenfalls die gesamte Branche betrifft. Während der Gesamtmarkt in diesem Jahr erneut geschrumpft ist, sind wir gewachsen. Insofern kann man schon erkennen, dass wir die richtigen Fäden gezogen haben, um uns vorzubereiten, zumindest auf die Teileverfügbarkeitskrise. Auf eine Pandemie kann man sich nicht vorbereiten. Da konnten wir den Händlern halt nur so gut es ging helfen, diese Zeit finanziell relativ schadlos zu überstehen. 

?: Stichwort Plug-in-Hybrid: Wie weit hilft Ihnen innerhalb der Modellreihen der Plug-in-Hybrid, die E-Mobilität voranzutreiben? 

Djuren: Der Plug-in-Hybrid ist für uns eine wichtige Übergangstechnologie. Unsere reinen Elektromodelle sind der e-Soul und der e-Niro, unlängst ergänzt durch den EV6. Insgesamt liegt der Anteil der Fahrzeuge mit Stecker an den Kia-Gesamtzulassungen bei über 30 Prozent und damit deutlich über dem Marktdurchschnitt von rund 25 Prozent. Insofern sind wir da gut aufgestellt. 

?: Wie lang können Sie den deutschen Kunden noch den konventionellen Antrieb, sprich Benzin- oder Dieselmotor anbieten?

Djuren: Wir haben kein Enddatum definiert. Als global tätiges Unternehmen wird Kia weiterhin Verbrenner produzieren und dort anbieten, wo es Sinn macht. Auch unter den Motorhauben von Hybriden und Plug-in Hybriden arbeiten ja Verbrenner. Wie sich das Thema hier in Europa in Zukunft entwickelt, hängt neben der Politik auch von unseren Kunden ab.

?: Welche Anteile entfallen denn auf die einzelnen Antriebsarten?

Djuren: Die Steckerfahrzeuge bei Kia machen über 30 Prozent aus, der Rest verteilt sich auf Benziner und Diesel, wobei der Dieselanteil immer weiter zurückgeht und der Benziner zumindest stabil ist.

?: Im Oktober 2021 haben Sie den rein elektrischen EV6 in den Markt eingeführt. Wie wollen Sie dieses Modell dem Kunden schmackhaft machen? 

Djuren: Wir sind ja mit einem ganz neuen Konzept gestartet und haben erstmals die Möglichkeit der Online-Vorreservierung angeboten. Mehr als 2.000 Kunden haben davon Gebrauch gemacht und ihren EV6 gebucht, ohne das Auto vorher gesehen, gefahren oder angefasst zu haben. Am 23. Oktober fand dann zur offiziellen Markteinführung des EV6 der Kia Inspiration Day statt – in Anlehnung an unseren neuen Slogan „Movement that inspires“. 

?: Herr Djuren, Sie sind ein Mann des Vertriebes. Wie schätzen Sie denn das klassische Autohaus ein? Wird der Kunde noch ins Autohaus kommen oder wird er online bestellen? 

Djuren: Für uns als Marke gibt es darauf eine klare Antwort: Ja. Es wird auch in Zukunft ein Kia-Händlernetz geben. Die Kunden werden sich zunehmend auch in digitalen Kanälen bewegen, da wird also ein Wandel stattfinden. Darauf müssen wir uns vorbereiten, und zwar gemeinsam mit dem Handel.

?: Kann jeder Kia-Händler in Deutschland den EV6 verkaufen und auch den Service leisten? 

Djuren: Ja, jeder Kia-Händler kann den EV6 verkaufen. Das ist per Vertrag so vorgesehen, da gibt es keine Einschränkungen.  

?: Wie groß ist derzeit das Händlernetz und haben Sie vor, weiter auszubauen oder eher zu zentralisieren? 

Djuren: Wir haben aktuell 419 Standorte, betrieben von über 300 Vertragspartnern. Das ist, glaube ich, eine gute Anzahl an Händlern, um auch weiterhin noch zu wachsen. Wir haben sicher beim einen oder anderen Händler Optimierungsbedarf. Aber grundsätzlich sind wir mit dem Händlernetz gut aufgestellt, um unsere Ziele zu erreichen.  

Vita

Thomas Djuren ist seit 1. Juli 2021 neuer Geschäftsführer und Chief Operating Officer (COO) von Kia Deutschland. Der 49-jährige Automobilmanager komplettiert neben CEO und Präsident Jong Kook Lee sowie CFO Sung Tae Cho das Führungstrio der deutschen Tochter des Mobilitätsanbieters. Bereits seit Juli 2019 verantwortet Djuren die Vertriebsaktivitäten des Importeurs als Director Sales. Diese Aufgabe wird er bis zur Neubesetzung der Stelle weiter ausüben. 

Thomas Djuren verfügt über zwei Jahrzehnte Erfahrung im Automobilgeschäft. Seine berufliche Laufbahn startete der Diplom-Kaufmann 2001 bei Saab Deutschland als Assistent der Geschäftsleitung. Nach zwei Jahren in der Händlernetzentwicklung bei der Adam Opel AG kehrte Djuren 2006 zu Saab zurück, wo er zunächst als Regionalleiter Vertrieb, dann als Leiter Vertriebs- und Marketingprogramme fungierte. Ab 2009 war er bei Opel unter anderem für die Händlernetzentwicklung auf europäischer Ebene zuständig, ehe er die Abteilung zur Entwicklung von Verkaufsprogrammen leitete. 2013 ging Djuren zu SEAT Deutschland und verantwortete dort bis 2017 als Regionalleiter Sales den Vertrieb in der Region Nord. Bei Jaguar Land Rover war er anschließend als Retail Network and Franchise Manager für die europaweite Entwicklung des Händlernetzes und des Lizenzgeschäfts zuständig, bevor er im Juli 2019 als Director Sales zu Kia wechselte.