Der arabische Einfluss in der Formel 1 nimmt Fahrt auf

Die Formel 1 liebt die Rennen auf der arabischen Halbinsel. Hierfür die Gründe sind klar: Stabiles Wetter, große Gastfreundschaft, die Liebe zum Rennsport und viel Geld – mehr Argumente haben das Management der F1 noch nie benötigt. Auch deshalb wird seit mittlerweile 16 Jahren der Grand Prix von Bahrain ausgetragen. Es folgte 2009 der Grand Prix von Abu Dhabi und in diesem Jahr kam der angekündigte der Grand Prix von Saudi-Arabien und eher überraschend kam Katar als viertes F1-Rennen im Mittleren Osten dazu.
Lewis Hamilton siegte beim ersten Grand Prix von Saudi-Arabien
Überzeugender Pluspunkt ist, dass die Rennen in der Regel sehr gut organisiert sind. In Jeddah (Saudi-Arabien) haben die Veranstalter innerhalb von nur acht Monaten eine spektakuläre Strecke errichten lassen, die zwar erst knapp vor dem ersten Trainingstag fertiggestellt wurde, dann aber für ein attraktives Rennen sorgte, in dem sich Max Verstappen und Lewis Hamilton mehrfach von der Strecke drängten und sogar kollidierten. Damit hat sich die Formel 1 Location Jeddah mit dem ersten GP von Saudi-Arabien in die Herzen der Fans katapultiert. Der ultraschnelle Stadtkurs hat Maßstäbe gesetzt, die man auch in Zukunft in anderen Ländern nicht so schnell übertreffen wird.
Hintergrund: Zwischen den einzelnen arabischen Ländern herrscht ein starker Wettbewerb – deshalb haben die Verantwortlichen in Abu Dhabi Anfang Dezember den Vertrag um weitere zehn Jahre verlängert hat. Bis 2030 wird das Finale der F1-Saison in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf der Yas-Insel veranstaltet. Und Bahrain spekuliert darauf, auch in den kommenden Jahren den Saison-Auftakt auszutragen und in Saudi Arabien soll das Formel 1 Rennen ab 2024 auf einem neuen Kurs in der Nähe der Saudi Arabischen Hauptstadt Riad ihre endgültige Heimat finden. Bemerkenswert: Der spektakuläre Kurs in Jeddah gilt nur als ein „beeindruckendes Provisorium“.
Und Katar? Das Emirat Qatar sprang in diesem Jahr kurzfristig für den abgesagten Grand Prix in Australien ein. Die F1-Gesellschaft FOM war so dankbar für das Angebot und die damit freigesetzten finanziellen Mitteln, dass man Katar einen Zehn-Jahresvertrag gegeben hat – beginnend ab 2023 nach der Fußball-WM 2022. Wahrscheinlich auf einem neuen Stadtkurs, denn die aktuelle Rennstrecke Losail ist eine Motorrad-Rennstrecke und nur bedingt für die F1 zu verwenden. Sobald der GP Saudi-Arabien auf den neuen permanenten Kurs wechselt, wäre dann wohl der neue Stadtkurs von Katar für die wilden Straßenkämpfe zuständig, wie wir sie Anfang Dezember in Jeddah erlebt haben.

Hermann Tilke,  Architekt und Entwickler von Formel-1-Rennstrecken, im Gespräch mit DIE AUTOSEITEN. Er konzipierte auch den neuen Stadtkurs in Jeddah.

Imposanter Blick auf den Formel-1-Stadtkurs in Jeddah
Der Einfluss der Araber nimmt aber auch abseits der Austragungsorte weiter zu: der saudische Staatsfonds Aramco ist seit 2020 der größte Sponsor der Formel 1, dem Bahrainischen Staatsfonds gehört seit Jahren ein großer Teil des McLaren-Teams und Mohammed Ben Sulayem (59) aus den Vereinigten Arabischen Emiraten hat jetzt die Chance zum Nachfolger von Jean Todt als FIA Präsident gewählt zu werden.
Mohammed Ben Sulayem ist ein echter Racer und wird natürlich darauf achten, dass in seiner Heimatregion der Rennsport einen immer größeren Stellenwert erhält – besonders wichtig ist ihm in diesem Zusammenhang die Nachwuchsförderung. Hier bieten die Engagements der arabischen Sponsoren gute Voraussetzungen. Es sollte sich deshalb niemand wundern, wenn in den kommenden Jahren junge Piloten aus den Emiraten oder Saudi-Arabien in der Formel 3 auftauchen und versuchen, in die höchste Klasse des Motorsports aufzusteigen. Hintergrund: In China war das vom ersten Grand Prix von China 2004 bis heute ein langer Weg. Aber ab 2022 startet mit Guanyu Zhou der erste Chinese beim Alfa-Romeo-Sauber Team in der Formel 1. Einen schnellen Araber zu finden, dürfte weniger Zeit in Anspruch nehmen, denn der mittlere Osten ist traditionell autoverrückt und finanzkräftig genug, um sich schnelle Autos leisten zu können. Davon kann sich jeder überzeugen, der schon mal auf der Autobahn zwischen Dubai und Abu Dhabi unterwegs war oder sich auf den Parkplätzen der Tophotels in Abu Dhabi umgeschaut hat.