Audi in der Formel 1
Für den Newcomer ist der Weg ins Mittelfeld steiniger als erwartet
Vier Rennen hat das neu gegründete Audi-F1-Team mittlerweile absolviert und die Ergebnisse sind ernüchternd: Die bisher einzigen zwei WM-Punkte 2026 konnte der Brasilianer Gabriel Bortoleto (21) vor den Augen von Audi-CEO Gernot Döllner beim Saisonauftakt dem Grand Prix in Australien einfahren. Schon beim Debüt war die Freude allerdings getrübt, denn der zweite Audi-Pilot Nico Hülkenberg (38) konnte in Melbourne gar nicht am Rennen teilnehmen. Der Grund: technischer Defekt. Auch beim zweiten Grand Prix in China war nur ein Audi am Start: Diesmal musste Gabriel Bortoleto beim Rennen zuschauen. Ebenso beim Grand Prix in Japan waren die beiden Audi Formel-1-Renner von Defekten geplagt. Bei Bortoleto musste beispielsweise während des freien Trainings das Getriebe gewechselt werden.
Schlagzeilen lieferte Audi auch neben der Strecke: Schon nach dem zweiten Rennen trennte sich Teamchef Jonathan Wheatley mit sofortiger Wirkung vom Audi-Team – dies war natürlich ein Donnerschlag. Angeblich aus persönlichen Gründen verließ der Brite, der seit rund 30 Jahren in der Formel 1 arbeitet, das Team. Hintergrund: Seine Frau fühlte sich in der Schweiz nicht wohl, jedoch scheint das als Grund vorgeschoben. Wahrscheinlicher ist, dass Wheatley sich mit Audi Team-CEO Mattia Binotto überwarf und Kompetenzstreitigkeiten dazu führten, dass Wheatley Audi verließ und wahrscheinlich nach einer Frist zum Formel-1-Team von Aston-Martin wechselt.
Einen neuen Teamchef hat Audi nicht gefunden. Dafür wurde der Ex-Rennfahrer Allan McNish zum Sportdirektor befördert. McNish ist ein Audi-Urgestein, gewann dreimal auf Audi den Le Mans Klassiker und bestritt 2002 eine Saison in der Formel 1 für Toyota. Tatsache ist, dass sein Formel 1 Know how im Vergleich zu Jonathan Wheatley gering ist. Dies bestätigte auch der Deutsche Formel-1-Rennfahrer Nico Hülkenberg indirekt beim F1-Rennen in Miami, als er nach Sportdirektor McNish befragt wurde: „Er hat langjährige Erfahrungen bei Audi.“ Heißt wohl übersetzt: Schön und gut, aber in der Formel 1 ist er bislang nicht aufgefallen.

Und das Audi F1-Debüt von Allan McNish in Miami traf mit Audis bisherigem Tiefpunkt in der Formel 1 zusammen: Zweimal brannten die Audi-Boliden und einmal wurde Bortoletos Audi disqualifiziert. Beim Rennen fiel Hülkenberg früh aus („Technischer Defekt“) und Bortoleto musste wegen seiner Disqualifikation von ganz hinten starten und fand keinen Weg nach vorne.
Hätte man sich das Formel 1-Debüt von Audi nicht etwas erfolgreicher vorgestellt. Bislang ist es ein harziger Beginn auf allen Ebenen. Allein die Tatsache, dass die echten Ausfallgründe nicht bekannt gegeben werden man immer nur von technischen Problemen spricht, hilft niemandem weiter und führt dann zu Schlagzeilen wie sie ein deutsches Online Magazin nach Miami titelte: „Pleiten Pech und Flammen“. Audi ist ein Premium-Hersteller mit einem Premium-Anspruch, dem man bislang in der Formel 1 nicht entsprechen kann. Objektiv fehlt wahrscheinlich nicht viel, um ins Mittelfeld der Formel 1 aufzusteigen. Aber die Erfahrung zeigt, dass der Weg dahin trotzdem lang und steinig werden kann.

DIE AUTOSEITEN beobachten Audi weiterhin bei Ihrer ersten Formel-1-Saison, nach dem Grand Prix von Kanada (Montreal) folgen die Europa-GPs im Juni mit dem traditionsreichen Rennen in Monaco, anschließend geht es nach Barcelona und Spielberg (Österreich).
F1 Fotos by Lukas Gorys

