Citroën pflegt seine Tradition

Citroën pflegt seine Tradition

„Für uns ist es wichtig, dass alle den Zugang zu E-Mobilität finden“

Wir sprachen mit Thomas Goldboom, Citroën Deutschland Chef

DIE AUTOSEITEN: Herr Goldboom, Citroën ist derweil im Aufwind, sowohl in ganz Europa als auch insbesondere in Deutschland. Gibt es hierfür Gründe?

Thomas Goldboom: Ja – Citroën hat vor ungefähr zwei Jahren angefangen, die Modellpalette komplett zu erneuern. Wir haben nicht nur jedes Modell erneuert, sondern auch die jüngste Modellpalette im Stellantis Konzern. Wir haben ein komplett neues Lichtdesign, eine komplett neue Designsprache, ein neues Logo. Wir bieten einen viel höheren Wiedererkennungswert und heute eine ausgezeichnete Presse. Als der C3 eingeführt wurde, hat er das „Goldene Lenkrad“ gewonnen. Wir haben daraufhin einmal nachgeschaut, ob wir überhaupt schon jemals ein „Goldenes Lenkrad“ gewonnen haben. Ja, das haben wir, aber das ist bereits 20 Jahre her. Wir waren mit dem C3 im Finale bei „Car of the Year“ und haben 2025 sogar den Titel „Car of the Year Germany“ gewonnen.  

DIE AUTOSEITEN im Gespräch mit Thomas Goldboom, Citroën Deutschland Chef

DIE AUTOSEITEN: Citroën steckt tief in der E-Mobilität, das Thema in Deutschland. Was kann Citroën anbieten?

Thomas Goldboom: Unsere komplette Modellpalette ist elektrifiziert, was bedeutet, Sie können jedes einzelne Auto auch elektrisch kaufen. Der Kunde hat die Wahl, denn nicht jeder Mensch hat sein Leben so organisiert, dass er auch mit einem Elektroauto, salopp ausgedrückt, gut unterwegs ist. Manche wollen trotzdem einen Verbrenner, Mild-Hybrid, PHEV oder was auch immer. Wir bieten alle Techniken an. Der Kunde hat also wirklich die freie Wahl. Ich kann einen C3 als Verbrenner kaufen oder als vollelektrisches Fahrzeug mit hochattraktivem Listenpreis von rund 20.000 Euro. Wir bieten alles für jeden Gusto an.

Weiterhin hatte das Fahrzeug bereits eine gute Nachfrage am Markt, als die E-Auto-Förderung kam. Da wir das Konzept der Bundesregierung sehr gut finden, haben wir uns entschlossen, den Familien mehr zu geben, die mehr Kinder bekommen haben oder Menschen, die finanziell eine schwierigere Situation haben mehr zu unterstützen. Das Programm der Bundesregierung finden wir sehr charmant, weil auch wir sehr familienorientiert sind und von dem Fair-Pricing-Gedanken kommen. Wir wollen für jedermann zugänglich sein und dementsprechend haben wir den Ball der Regierung aufgenommen und haben E-die Auto-Förderung einfach verdoppelt. Das ist ein starkes Statement, das verfängt und einen guten Anklang findet.

DIE AUTOSEITEN: Können Sie das an einem Zahlenbeispiel plastisch darstellen, was das bedeutet?

Thomas Goldboom: Die Kunden können vom Staat durch die E-Auto-Förderung bis zu 6000 Euro bekommen. In dem Fall geben wir ebenfalls 6000 Euro dazu. Nehmen Sie die UPE, der ë-C3 beginnt aktuell bei 20.140 Euro. Dann können Sie bis zu 12.000 Euro abrechnen und für unter 10.000 Euro einen ë-C3 kaufen. Das ist ein starkes Statement. Da gibt es auch Themen, die durch die Medienlandschaft gegangen sind, zum Beispiel: „Was ist mit den Restwerten? Ach Gott, ach Gott, ach Gott.“ Ich persönlich und wir glauben Folgendes: Für uns ist es wichtig, dass alle den Zugang zu E-Mobilität finden. Das sind jedoch nicht zwingend die Kunden, die nach einem Jahr das Auto verkaufen. Stattdessen sind es jene Kunden, die sich vielleicht sonst einen Gebrauchtwagen gekauft hätten.

DIE AUTOSEITEN: Sehen Sie den Preis als sehr wichtiges Kaufargument für den Kunden und aus Ihrer Sicht als Verkaufsargument? Jetzt drängen aber viele neue Marken auf den Markt, insbesondere chinesische Marken, die sehr preisaggressiv sind. Sehen Sie das für Ihre Ausgangsposition eher als Vorteil?

Thomas Goldboom: Wir haben sicherlich mit der Verdoppelung der E-Auto-Förderung und unseren Listenpreisen ein starkes Argument. Das ist eines und sogar ein großes Kriterium für die Entscheidung, aber am Ende des Tages entscheiden durchaus auch Image, Design und Praktikabilität des Fahrzeuges. Schauen wir auf unsere breite Modellpalette. Bei einem C4 bekomme ich ein sehr attraktiv anzuschauendes C-Segment-Fahrzeug, das unter 30.000 Euro kostet, wenn ich es als Verbrenner kaufe. Mit dem C5 Aircross haben wir unser größtes SUV eingeführt, das mit coolem Lichtdesign und großem Screen und Kofferraum alle Häkchen setzt. Mit unserer Produktion in Europa und starken lokalen Kooperationen in Deutschland setzen wir weitere Punkte für die Marke. Und wir verkaufen alle Motorisierungen. Wir sind keine reine Elektromarke, diesen Eindruck will ich keinesfalls erwecken und auch das ist eine Stärke. Der Preis ist immer ein sensibler Punkt. Im Privatkundenbereich ist das ganz besonders so, gerade wenn wir über E-Auto-Förderung sprechen.

DIE AUTOSEITEN: In Deutschland haben Sie rund 230 Händlerstützpunkte. Sehen Sie weiterhin für den klassischen Händlerbetrieb eine Zukunft oder gibt es für Sie auch Alternativen?

Thomas Goldboom: Einhundertprozentig ist der Handel die Zukunft. Wir werden nur über den Handel wachsen und unsere Zukunft ist miteinander verknüpft. Wir brauchen jeden einzelnen Händler, ob auf dem Dorf oder in der Stadt. Wir wollen alle Händler mitnehmen und wollen auch, dass alle Händler wachsen. Das ist ein sehr spannendes Thema, denn mit der Verdopplung der Elektroprämie sehen wir, dass unsere Händler wachsen. Sie wissen, was manchmal passiert. Sie legen ein Programm auf und nur ein Drittel macht hervorragend mit, ein Drittel läuft mit und ein Drittel hat das Mailing nicht bekommen. Mit dem ë-C3 schaffen wir es jedoch, das komplette Netz mitzunehmen. Die Stimmung ist in meinem Empfinden ebenfalls sehr gut, wenn ich das sagen darf. Die Verkaufszahlen kennen gerade nur eine Richtung. Diese geht nach oben, um präzise zu sein.

DIE AUTOSEITEN: Wie machen Sie einem Neukunden die Marke Citroën schmackhaft? Gibt es eine typische DNA für Citroën?

Thomas Goldboom: Wir leben von unseren drei C‘s. Das fasse ich einmal so zusammen. Wir sind eine clevere Marke, die ein hohes Maß an Komfort bietet. Weiterhin sind wir eine zugängliche Marke, wie beschrieben mit der E-Auto-Förderung oder mit unseren Einstiegspreisen. Nicht zuletzt versuchen wir, ein bisschen anders und kreativ zu sein. Wir schreiben das dann „créatif“, also Französisch. Das ist ein Ansatz, den man auch am Heck vom C5 Aircross sieht mit den Light Wings. Das sieht man zum Beispiel auch an den Color-Clips sowie an superergonomischen Sitzen. Der Komfort vom C5 Aircross sowie all unseren Fahrzeugen ist in deren jeweiliger Klasse immer State-of-the-Art. Es sind keine Nürburgring-Flitzer, sondern Fahrzeuge, mit denen Familien entspannt von A nach B kommen. Man beschreitet mit ihnen seinen Alltag und sie haben einen hohen praktischen Wert mit einem hohen Einstieg, viel Kofferraumvolumen und vielem mehr. Es sind praktikable Autos, die gut aussehen.

DIE AUTOSEITEN: Sie haben den Vorteil, dass Sie sehr traditionsreiche Modellreihen haben. Ein Neukunde kann sagen, dass schon der Opa den DS oder den XM gefahren hat. Die Eltern haben vielleicht den 2CV gefahren.

Thomas Goldboom: So ist es.

Citroën Jubiläum: 30 Jahre Berlingo

DIE AUTOSEITEN: Sie haben also eine große Tradition. Ist es nicht eigentlich ein bisschen schade, dass es solche markanten Modelle heute nicht mehr gibt?

Thomas Goldboom: Zunächst denke ich, dass wir mit der Zeit gehen und Modelle sind immer erst nach ihrer Ära markante Modelle geworden. Als die Ära der Ente in Deutschland kam, war das kein markantes Auto. Es war einfach die Ente, die man aus guten Gründen gekauft hat. Der 2CV war günstig und praktikabel. Das Fahrzeug war leicht zu reparieren und hatte einen guten Preis. Es hat zu dieser Zeit in die Welt gepasst. Irgendwann 50 Jahre später ist es dann eine Ikone. Ich will nicht so weit gehen zu sagen, dass wir heute Ikonen bauen. Das werden wir erst in 50 Jahren wissen. Nichtsdestotrotz haben wir beispielsweise mit dem Berlingo eine Ikone. Gäbe es den Berlingo nicht mehr, würden ihn alle als Heritage ansehen. Das Auto ist jetzt 30 Jahre alt geworden und wir verkaufen ihn seit 30 Jahren ununterbrochen. Wir haben also heute schon eine Ikone. Hinzu kommt, dass wir mit dem ë-C3 ein in Europa gebautes Elektroauto haben, das zu einem Preis von rund 20.000 Euro erwerbbar ist. So hat der ë-C3 ebenfalls das Potenzial, im Rückblick zur Ikone zu werden. Das wird die Zeit zeigen.

DIE AUTOSEITEN: Von der Tradition zur Modernen – wird der 2CV, also die Ente wieder belebt?  

Thomas Goldboom: Ja. Grundsätzlich kann ich sagen, dass die Ente neu kommen und ihre Heritage aufgreifen wird. Sie wird in die heutige Zeit passen und ein Fahrzeug sein, das in der Elektro-Mobilität, ähnlich wie der ë-C3, einen eigenen Charakter hat. Sie wird ihren Enten-Look und -Stil haben und damit noch zugänglich und demokratisierend sein, mit den Attributen von damals. Sie soll leicht zu reparieren sein und eine einfache Technik haben. Sie wird sowohl preislich als auch von der Funktionalität her extrem zugänglich sein. Wir und auch die Händler haben das Auto bereits sehen dürfen. Bei allen stieß die neue Ente auf große Euphorie, sowohl bei uns von der Marke wie auch bei den Händlern, die das Fahrzeug gesehen haben. Und jetzt freuen wir uns auf die Motorshow in Paris, und dass endlich alle die neue 2CV sehen dürfen.

DIE AUTOSEITEN: Dann hat Citroën noch eine große Zukunft vor sich. Citroën ist eine Marke in der Stellantis Group. Fühlt sich Citroën in diesem Verbund wohl?

Thomas Goldboom: Ja, wir als Citroën Deutschland fühlen uns sehr wohl. Wir sehen, dass Stellantis in Citroën investiert. Wir bekommen die neuen Modelle. Das ist die Ente, und es kommt ein weiteres C-SUV, das auch schon auf den Investoren-Tagen gezeigt wurde. Wir bekommen also zwei neue Modelle in zwei neuen Segmenten. Es sind keine Fahrzeuge, die andere ersetzen. Sie sind also keine Nachfolger des C3 oder C5 oder Ähnlichem. Es sind komplett eigenständige Modelle, was heißt, dass man weiterhin auf Citroën setzt. Es wäre auch verrückt, wenn das nicht so wäre. Die Frage stellt sich gar nicht.