Das Batterie-Lade-Schachspiel

Das Batterie-Lade-Schachspiel

Die Formel 1 startet 2026 mit einem komplett neuen Reglement

Die Winterpause der Formel 1 ist in diesem Jahr ausgefallen, denn die Teams benötigen derzeit jeden Tag, um bis zu den ersten Wintertests in der letzten Januar-Woche ihre neuen Wagen fertigzustellen. Die Formel 1 startet 2026 mit einem komplett neuen Reglement: Die Abmessungen der Wagen werden reduziert und ihre Aerodynamik ändert sich genauso drastisch wie der Antrieb. Der 1,6 Liter Turbomotor bleibt zwar erhalten, aber neben dem klassischen Verbrenner steigt der Elektro-Anteil der Powerunit auf fast 500 PS.  

Eine große Herausforderung für die Königsklasse, denn diese Elektro-PS werden pro Runde maximal 36 Sekunden zur Verfügung stehen, weil sie fortlaufend rekuperiert werden müssen. Die große Sorge der Teams: die Rekuperation von 500 Elektro-PS benötigt einen großen Teil der Verbrenner-Motorenergie zum Aufladen der Batterie (ausschließlich an der Hinterachse) und macht die Rennwagen am Ende einer Geraden voraussichtlich immer langsamer, weil ihnen schlicht die PS ausgehen. Um das auszugleichen, dürfen zum ersten Mal seit Ende der 60er Jahre bewegliche Front- und Heckflügel genutzt werden, um die Geschwindigkeiten auf der Geraden zu erhöhen.

Ebenfalls neu: Die Formel 1 setzt auf rein synthetische, CO2 neutrale Treibstoffe. Bisher waren 100 kg Treibstoff pro Stunde erlaubt. Ab 2026 sind es 3500 Mega-Joule pro Stunde. Damit ist entscheidend, wieviel Energie pro Liter Kraftstoff enthalten ist. Wer über eine hohe Energiedichte pro Liter verfügt, hat einen geringeren Liter-Verbrauch und hat damit weniger Gewicht am Start. Hier werden sich unter Umständen bald die Unterschiede zwischen den einzelnen Kraftstoff-Herstellern zeigen.

Der neue Ferrari SF-26

Die Frontflügel werden von 2 Meter auf 1,9 Meter Breite gestutzt. Die Autos werden kürzer: der maximal erlaubte Radstand reduziert sich von 3,60 Meter auf 3,40 Meter. Das Mindestgewicht wird um 30 Kilogramm verringert. Die Reifengröße bleibt bei 18 Zoll, aber die Vorderräder werden um 8 Prozent schmäler (von 305 auf 275 mm). Die Hinterräder reduzieren ihre Breite von 405 auf 375 mm.

Der seit 2022 erlaubte Groundeffect wird verboten. Der Unterboden bleibt bis zur Hinterachse flach und trägt deshalb nicht mehr zum Anpressdruck bei. Der Heckflügel besteht zukünftig aus drei Elementen. Das DRS – um Überholen zu erleichtern – ist abgeschafft. Stattdessen dürfen die Fahrer Front- und Heckflügel flachstellen.

Die Kompression des Verbrenner-Motors wird von 18:1 auf 16:1 reduziert, was seit Wochen eine große Diskussion unter den Herstellern ausgelöst hat, denn die FIA misst dieses Kompressionsverhältnis ausschließlich bei Umgebungstemperatur. Zumindest Mercedes-AMG ist es gerüchteweise gelungen, das Verdichtungsverhältnis im echten Betrieb auf 18:1 hochzutreiben und damit wohl mehr PS zu generieren.

Der neue Mercedes-AMG F1 W17 E PERFORMANCE

Von Teams und Fahrern, die seit Wochen im Simulator die neuen F1-Autso und Powerunits testen, hört man: die Herausforderungen der neuen Formel-1-Generation haben sich geändert. Es kommt darauf an, die 500 Elektro-PS im richtigen Moment einzusetzen, die aktive Aerodynamik optimal zu nutzen und das Aufladen der Batterie so zu optimieren, dass der Nachteil auf der Strecke möglichst gering ist.

Welche Fahrer werden mit diesen Herausforderungen am besten klar kommen? Die jungen Piloten, die sich am einfachsten auf neue Begebenheiten einstellen? Die älteren mit der größten Erfahrung? Wie wird das Batterie-Lade-Schachspiel das Racing beeinflussen? Übernehmen die Renn-Ingenieure mit dem Management der Batterien auch die gesamte Rennstrategie? Kritiker sagen, wir werden nur ganz wenige Überholmanöver sehen, andere glauben, es wird an Stellen überholt werden, wo man bisher nicht damit rechnet. Eben weil der Fahrer mit der Aerodynamik herumspielen kann und nicht jeder Fahrer zu jeder Zeit die Batterie im gleichen Ladezustand haben wird.

Nico Hückelberg fährt für Audi

Wie die neue Formel 1 sich aufstellt, werden die Fans erst am 8. März beim Saisonauftakt in Melbourne (Australien) sehen. Die ersten Tests in Barcelona in der letzten Januar Woche finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Hat die Formel1 Angst, sich zu blamieren? Mit diesem Testauftakt hinter verschlossenen Türen tut sich die Formel 1 wohl keinen großen  Gefallen, denn damit werden das Debüt der neuen Formel-1-Teams von Cadillac und Audi vor der Öffentlichkeit geradezu versteckt.