„Mazda ist kein Hersteller, der Produkte von der Stange herstellt“

„Mazda ist kein Hersteller, der Produkte von der Stange herstellt“

Mit der Multi-Solution-Strategie haben sich die Japaner nicht einseitig einer Antriebsform verschrieben

Wir sprachen mit Bernhard Kaplan, Geschäftsführer der Mazda Motor Deutschland GmbH
 
 
DIE AUTOSEITEN: Herr Kaplan, die Automobilbranche steht und stand vor großen Herausforderungen. Wie ist die Marke Mazda damit umgegangen?
 
Bernhard Kaplan: In Deutschland ist der Markt sehr volatil, und ist auch geprägt von den Elektro-Prämien, respektive der Incentivierung im gewerblichen Bereich. Und das hat aus meiner Sicht in den letzten zwei, drei Jahren den Markt schon durcheinandergewirbelt. Es gibt eine Menge neuer Wettbewerber, die sich gerade anschicken, sich auch im deutschen Markt zu etablieren, und deswegen ist eine Menge Konkurrenz im Markt. Das ist schon ein sehr turbulentes Umfeld, plus Zinsen, plus Inflation, plus Komponentenproblematik. Und Corona ist auch noch nicht so lange her, wenn man das alles so zusammenfassen kann. Aber wir sind bei Mazda zusammen mit unseren Händlern schon gut durch diese turbulenten Zeiten gegangen.
 
Dieses Jahr ist wieder planbarer und die ersten sieben Monate im Jahr 2023 sind für uns sehr erfolgreich verlaufen, wir könnten mehr als 26.000 Fahrzeuge verkaufen und liegen mit einem Wachstum von über 51 Prozent mehr als deutlich über dem Gesamtmarktwachstum von gut 13 Prozent. Besonders positiv ist, dass der Kaufvertragseingang auch im Juli im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben ist. Außerdem können wir mit einer sehr guten Lieferfähigkeit punkten. Speziell beim elektrischen Mazda MX-30 bieten wir derzeit eine sehr gute Verfügbarkeit und können die Wünsche unserer Kunden optimal erfüllen.

DIE AUTOSEITEN: Sie sprachen den Wettbewerb auf dem deutschen Markt an, neue Marken kommen, vornehmlich aus China. Wie schätzen Sie die neue Situation ein?  
 
Bernhard Kaplan: Ich sehe es mal so, wir haben im November 2022 unser 50-jähriges Jubiläum gefeiert, also das heißt, wir sind 50 Jahre am Markt, haben uns in Deutschland etabliert. Natürlich waren das auch turbulente Zeiten, aber in Summe haben wir eine sehr hohe Markenbekanntheit, haben ein sehr etabliertes Händlernetz mit vielen Partnern, die seit Jahrzehnten vor Ort Ansprechpartner für den Kunden sind. Und das ist sicher einer unserer großen Vorteile, die wir haben. Natürlich muss man sich die Gunst des Kunden jeden Tag neu verdienen. Und natürlich kommt auch durch die neuen Wettbewerber eine neue Brise rein. Die meisten Anbieter, so wie ich das wahrnehme, setzen ihren Fokus auf batterieelektrische Fahrzeuge. Auch wir haben ein batterieelektrisches Auto im Angebot und werden unser Angebot hier in den nächsten Jahren ausbauen. Aber bekanntermaßen ist unsere Strategie eine Multi-Solution-Strategie, das heißt, wir haben uns nicht einseitig einer Antriebsform verschrieben, sondern haben einen technologieoffenen Ansatz, den wir natürlich auch verfolgen. Und das dokumentieren wir zum Beispiel auch mit der Markteinführung eines neuen Dieselmotors mit hervorragender Effizienz im Mazda CX-60 – damit haben wir ein Ausrufezeichen im deutschen Markt gesetzt.

DIE AUTOSEITEN: Sie setzen weiterhin auf den Dieselmotor, insbesondere im Segment SUV?
 
Bernhard Kaplan: Ja – wir haben beim CX-5 einen guten Dieselmotor, und wir haben jetzt beim neuen CX-60 einen sehr innovativen neuen Reihensechszylinder-Dieselmotor, der zudem hybridisiert ist und nur 5,0 bis 5,3 Liter je 100 Kilometer verbraucht. Dies verkaufen die Händler und die Kunden wollen es haben. Hier ist ganz klar, dass der Diesel für Crossover beziehungsweise SUV nach wie vor relevant ist. Also für ein Erstfahrzeug, für jemand, der wirklich etliche Kilometer im Monat oder im Jahr fährt und vielleicht noch eine gewisse Zugkraft braucht. Es ist weiterhin eines der besten Fahrzeugkonzepte, die man kaufen kann.  
 
DIE AUTOSEITEN: Diesel insbesondere im SUV-Bereich, oder sehen Sie das über die gesamte Mazda-Modellpalette?
 
Bernhard Kaplan: Nein, aber ich glaube, bei den größeren SUV- oder Crossover-Fahrzeugen ist der Dieselmotor nach wie vor schon sehr relevant. Beim den kleineren Modellen wie Mazda2, Mazda3 und CX-30 bieten wir keinen Diesel mehr an, auch beim Mazda 6 nicht.
 
DIE AUTOSEITEN: Wie ist das Verhältnis zwischen Plug-in-Hybrid und Diesel beim CX-60-Absatz?
 
Bernhard Kaplan: Der Diesel ist schon sehr gut eingeschlagen, das muss ich ganz klar sagen. Wir hatten ursprünglich einen 50:50-Mix geplant, aber im Moment sind es beim CX-60 eher 70 Prozent Diesel und 30 Prozent PHEV. Also, der Sechszylinder-Diesel verkauft sich gut im CX-60.
 

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DIE AUTOSEITEN: Sie haben auch eine sehr traditionsreiche Antriebsvariante, den Wankelmotor. Mazda ist mit der Technologie des Wankelmotors eng verbunden. Und den werden Sie im MX-30 auch elektrifiziert auf den Markt bringen?
 
Bernhard Kaplan: Richtig, jetzt kommt bei Mazda der Wankelmotor im MX-30 zurück, als Teil eines seriellen Plug-in-Hybridantriebes. Der Mazda MX-30 R-EV fährt immer elektrisch und man kann die Batterie per Stecker von außen laden – zusammen mit der Reichweite aus dem benzinbetriebenen Wankelmotor so kommt man eben auf eine sehr respektable Gesamtreichweite von bis zu 680 Kilometer.

DIE AUTOSEITEN: Wo sind bei diesem Konzept die Vorteile des Wankelmotors?
 
Bernhard Kaplan: Dieser Motor ist sehr kompakt gebaut und hat eine gute Laufruhe, man bekommt ihn gut gedämmt, so dass das elektrische Fahrgefühl erhalten bleibt. Das sind die zwei großen Vorteile.
 
 
DIE AUTOSEITEN: Jetzt hat Mazda ja eine sehr breite Modellpalette. Früher waren Mazda3 und Mazda6 die Säulen. Wie sehen Sie die Zukunft dieser konventionellen Fahrzeugkonzepte?
 
Bernhard Kaplan: Einen großen Vorausblick kann ich Ihnen jetzt nicht geben. Da müssen wir noch etwas abwarten, auch was aus unserer Konzernzentrale in Japan kommt. Aber grundsätzlich kann ich Ihnen sagen, dass wir eine globale Strategie haben und uns auf unsere Kernmärkte konzentrieren. Crossover-Fahrzeuge verkaufen sich sehr gut, die passen auch zur Marke und die verkaufen sich auch gut in Deutschland. Wir sind erfolgreich mit CX-30, MX-30 und CX-5 unterwegs und jetzt auch mit dem neuen CX-60. Deswegen werden wir unseren Schwerpunkt in Zukunft auf Crossover-Fahrzeuge setzen. Werden wir jetzt jedes, sagen wir mal, traditionelle Fahrzeugsegment verlassen? Nein, glaube ich nicht. Wir haben ja auch den MX-5 noch als Roadster.
 

DIE AUTOSEITEN: Das ist ein Mazda typisches Modell…
 
Bernhard Kaplan: Ja, das ist das mit Abstand bekannteste Auto von uns. Also, das hört sich vielleicht ein bisschen kryptisch an, aber letztendlich glaube ich, Crossover-Fahrzeugen ist der Schwerpunkt, aber wir werden wir darum herum ergänzende Modelle haben.
 
 
DIE AUTOSEITEN: Was wird Mazda 2023 und danach in Deutschland noch auf den Markt bringen?
 
Bernhard Kaplan: Den MX-30 R-EV, der soll hier ein technologisches Ausrufezeichen setzen. Und das zweite ist, dass wir noch die Weltpremiere vom CX-80 Anfang kommenden Jahres  erleben. Mit ihm wollen wir die Palette mit einem größeren Crossover SUV abrunden. Der ist noch ein bisschen länger als der CX-60 und bietet bis zu sieben Sitzplätze. 
 
 
DIE AUTOSEITEN: Herr Kaplan, abschließend die Frage, für was steht die Automobil-Marke Mazda?
 
Bernhard Kaplan: Ich denke, wir stehen sicher für Fahrspaß, und wir stehen auch für Technologie und für gutes Design. Unsere aktuelle Markenkampagne „Crafted in Japan“ zeigt, dass wir uns unserer japanischen Wurzeln durchaus bewusst sind. Mazda ist kein Hersteller, der Produkte „von der Stande“ herstellt, sondern wir wollen zeigen, dass Kunden bei uns das Besondere finden können: wir haben einen Roadster, wir haben einen Multi-Solution-Ansatz und halten weiter verbesserte Verbrennungsmotoren, die elektrisch unterstützt werden, für wichtig. Wir zeigen, dass wir einen Wankelmotor auch wieder relevant gestalten können. Also bei uns findet man Sachen, die man woanders nicht findet, und das gepaart mit einer japanischen Ingenieurs- und auch Fertigungskunst. Ich denke, dass man unseren Autos außen und auch innen ansieht, dass bei Mazda Autos mit sehr viel Herzblut entwickelt und gefertigt werden.