„Jeep ist eine sehr starke Marke“

„Jeep ist eine sehr starke Marke“

Von aktuell zwei wird auf sechs Modelle aufgestockt

Wir sprachen mit Peter Stoffels, Jeep Deutschland-Chef

DIE AUTOSEITEN: Herr Stoffels, die traditionsreiche Marke Jeep hat leider etwas an Glanz verloren. Woran liegt es?

Peter Stoffels: Die Marke Jeep hat sich in den vergangenen Monaten in Europa und in Deutschland neu orientiert und befindet sich gerade inmitten der Neuausrichtung. Wir haben einen klaren Plan, der uns in die Zukunft führt. Aktuell sind wir mit zwei Modellen am Markt - Avenger und Compass – und beide sind erfolgreich. Wir sind froh, die Antriebspalette bei beiden Modellen nun vervollständig ergänzt zu haben, zuletzt mit der großen Batterie beim Compass und auch den 4xe-Allradvarianten. Das wird uns weitere Impulse verleihen. Natürlich sind wir dennoch bemüht, die Produktpalette auch im D-SUV-Segment wieder sinnvoll zu ergänzen– denn das ist das Kernsegment der Marke Jeep.

DIE AUTOSEITEN im Gespräch mit Peter Stoffels, Jeep Deutschland-Chef

DIE AUTOSEITEN: Auf dem deutschen Markt vermisst man klangvolle Namen wie Wrangler, Renegade, Cherokee, Grand Cherokee. Wird es solche Modelle in Zukunft noch einmal geben?

Peter Stoffels: Wir arbeiten sehr intensiv daran, unsere Modellpalette zu erweitern. So haben wir unseren Produktplan für das Jahr 2030 detailliert aufgesetzt und arbeiten nun an der Umsetzung. Unser Ziel ist es, von aktuell zwei Modellen auf sechs Modelle aufzustocken. Zwei der zukünftigen Modelle werden im D-SUV-Segment an den Start gehen, wo die Kunden die Marke Jeep auch erwarten. Bei den genannten US-amerikanischen Modellen sind wir ständig in der Prüfung, ob wir eine Möglichkeit sehen, diese auch aktuell nach Europa zu bekommen. Natürlich gilt es dabei, die Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, seien es Regulierung oder Kosten.

‍DIE AUTOSEITEN: Derzeit bietet Jeep zwei Modellreihen in Deutschland an. Gibt es sie ausschließlich rein elektrisch oder gibt es Alternativen?

Peter Stoffels: Wir bei Jeep möchten unseren Kunden die Wahlfreiheit bezüglich des Antriebes lassen und sprechen da von „Freedom of Choice“. Beide unsere Modelle, Avenger und Compass, bieten wir sowohl als Verbrenner-Variante als auch als Plug-In-Hybrid-Variante oder als rein batterieelektrische Variante. Zusätzlich bieten wir natürlich auch bei beiden Modellen einen Allrad-Antrieb. Das erwarten die Kunden von uns.

DIE AUTOSEITEN: Die Marke Jeep und die Technologie, rein elektrisches Fahren, ist das nicht ein Widerspruch?

Peter Stoffels: Wir wollen uns als Marke weiterentwickeln und in Europa mit der Zeit gehen. Von daher sehen wir gerade bei Avenger und Compass Monat für Monat steigende Elektro-Verkaufszahlen, sodass wir uns dort auf einem guten Weg sehen. Der neue vollelektrische Jeep Compass 4xe mit bis zu 375 PS Leistung und 600 Kilometern Reichweite macht enorm viel Spaß und ist geländetauglich – daher steht das Auto für die Marke Jeep, eben in einem neuen Zeitalter.

DIE AUTOSEITEN: Wie würden Sie heute die DNA von Jeep beschreiben?

Peter Stoffels: Jeep ist eine sehr starke Marke mit einem sehr klaren Markenkern, einer unglaublich großen Historie und einer starken Identität. Jeep ist eine authentische Marke, ausgelegt auf Abenteuer, aber auch auf diesen Freiheitsgedanken, gepaart mit einer Offroad-Kompetenz, die wir zukünftig noch weiter ausbauen werden.

DIE AUTOSEITEN: Inwieweit fühlt sich die aus der Vergangenheit rein amerikanische Marke Jeep im Stellantis Konzern wohl?  

‍Peter Stoffels: Wir versuchen Tag für Tag, das Beste aus allen Welten zusammenzubringen. Wir haben in dem zukünftigen Line-up Fahrzeuge, die auch weiterhin aus Amerika importiert werden, bedienen uns aber natürlich gleichzeitig auch der Möglichkeiten der Konzern-Plattformen. Wir werden zum Beispiel mit Jeep recht schnell Zugriff auf die neue Stella-One-Plattform bekommen, die es uns erlauben wird, neue Modelle schnell zu entwickeln. Wir nutzen zusätzlich bestehende Partnerschaften innerhalb von Stellantis und werden eines der genannten D-SUV-Fahrzeuge gemeinsam mit dem chinesischen Partner Dongfeng auf den Markt bringen. Von daher sehe ich das als ideale Kombination: Amerikanischer Kern mit amerikanischen Produkten, innerhalb des internationalen Stellantis Konzerns mit seinen tiefen Wurzeln in Europa und Partnern auf der ganzen Welt.

‍DIE AUTOSEITEN: Wie wird die Zusammenarbeit mit der chinesischen Automobilmarke Dongfeng in Zukunft aussehen?

Peter Stoffels: Wir sind gerade in der Entwicklung des ersten gemeinsamen Fahrzeugs, das hundertprozentig Jeep-DNA verkörpern wird. Die Markensprache wird 100 Prozent Jeep sein. Kunden werden einen echten Jeep erkennen, und zwar an ikonischen Elementen wie dem Kühlergrill. Jeep wird in die Entwicklung Erfahrungswerte und Allrad-Kompetenz einbringen. Auch hier ist es also ein Mix aus beiden Welten - einerseits die hohen Geschwindigkeit und Kostenstruktur des chinesischen Kooperationspartners, andererseits die klare Jeep-DNA.

DIE AUTOSEITEN: Gehen wir zurück zum deutschen Markt. Wie werden Sie zukünftig den deutschen Kunden für Ihre Marke begeistern wollen?

Peter Stoffels: Wir werden unseren Kunden mit unseren neuen Produkten große Wahlmöglichkeiten in den Segmenten B-, C- und D-SUV bieten. Dabei haben die Kunden immer auch die Entscheidungsfreiheit, mit welchem Antrieb sie unterwegs sein möchten. Und sie werden die Wahl haben, ob sie eine 4×4-Variante kaufen oder nicht. Beim Avenger haben wir gesehen, dass die Marke erfolgreich neue Zielgruppen erschlossen hat - ein gutes Stück jünger, ein gutes Stück weiblicher. Mit unserer neuen Produktpalette werden wir die Marktabdeckung bis 2030 so noch deutlich erweitern.

‍DIE AUTOSEITEN: Welche Rolle innerhalb Europas übernimmt der deutsche Markt für die Marke Jeep?

Peter Stoffels: Der deutsche Markt ist traditionell der größte Markt in Europa. Für die Marke Jeep ist das der zweitgrößte Markt neben dem Heimatmarkt in Italien, wo das Werk des Compass steht. Deutschland nimmt damit eine Schlüsselrolle für den Markterfolg in ganz Europa ein, und für die Marke Jeep gilt das genauso.

DIE AUTOSEITEN: Eine abschließende Frage, Herr Stoffels. Wie amerikanisch ist die Marke noch?

Peter Stoffels: Wir bringen das amerikanische Ideal mit den Themen und den Möglichkeiten zusammen, die der Stellantis Konzern bietet. Die DNA bleibt amerikanisch, die Design-Sprache bleibt amerikanisch. Jeep ist und bleibt die amerikanische SUV-Marke im Konzern – und das ist auch gut so.